Fleischer-Innung Mfr.-Mitte: Mit eigenen Staerken besser werben

Nürnberg/Fürth (pr) - "Wir müssen mehr mit unseren Stärken werben", forderte Vorstandsmitglied Sven Freyberger (Nürnberg) in der Herbstversammlung der Fleischer-Innung „Mittelfranken-Mitte".
Dem stimmten nicht nur die Kollegen zu - Horst Schneider, Vorstandsvorsitzender der Fleischergenossenschaft Evenord, kündigte an, neue Werbe- und Qualitätsoffensiven ideell und finanziell zu unterstützen.

Die Metzgereien in Nürnberg, Fürth oder Lauf produzieren hochwertige Fleisch- und Wurstwaren, stärken mit ihrem Rohstoffbezug von Landwirten aus Franken und dem Verkauf vor Ort regionale und umweltschonende Wirtschaftskreisläufe und bilden junge Leute aus. Top-Qualität und Standorttreue - vielen Verbrauchern sind diese Vorzüge des Handwerks aber gar nicht bewusst.

„Mit Stolz auftreten, um Berufsnachwuchs zu gewinnen", empfahl auch Obermeister Konrad Ammon (Fürth-Burgfarrnbach) den 77 Innungsbetrieben. Zwar sinke die Zahl der Metzgereien in Deutschland jährlich um etwa 330, das Lamentieren über ein „Metzgersterben" sei aber kontraproduktiv und schrecke ab, eine Lehre als Fleischer oder Fachverkäuferin zu beginnen. Eine Verkürzung der Lehrzeit im Fachverkauf von drei auf zwei Jahre, wie sie etwa die Verbände der Bäcker fordern, lehnen die Metzger ab. Als mögliche Kompromissvariante sieht Lehrlingswart Max Ammon (Fürth-Burgfarrnbach) eine zweijährige Fachverkaufs-Lehre plus ein optionales Jahr zur „Fachkraft Catering".

Am Staatlichen Berufsschulzentrum Fürth steigen die Lehrlingszahlen laut Max Ammon derzeit leicht an. Aus Stadt und Landkreis Fürth lernen hier (neben Azubis von Erlangen bis Rothenburg) vier Metzger im ersten und je einer im zweiten und dritten Lehrjahr, Fachverkäuferinnen sind es acht, elf und acht.
Stabilisiert haben sich nach Aussage von Fachlehrer Joachim Moßner auch die Zahlen an der Städtischen Berufsschule 3 in Nürnberg. Hier zählt man in den drei gemischten Jahrgangs-Klassen 27, 17 und 27 Azubis. Die höhere Schülerzahl hat für ihn auch einen Haken: Viele würden von Großmetzgereien mit Vergütungen über 1000 Euro/Monat aus Osteuropa angeworben, ihre Deutschkenntnisse seien minimal. So komme im Unterricht der fachliche Teil oft zu kurz, der Prüfungserfolg sei fraglich.

Andreas Kraus vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Fürth gab den Betrieben Tipps, wie sie dringend benötigte Fachkräfte mit finanzieller Unterstützung selbst auszubilden. Nach dem neuen „Qualifizierungschancengesetz" könnten Kleinstunternehmen (bis zehn Beschäftigte) Mitarbeiter als Helfer anstellen und mit Lehrgängen z.B. über zwei Jahre zur Fachkraft umschulen lassen. In einem „Engpassberuf" wie Fleischer zahle die Arbeitsagentur bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten und 75 Prozent des Arbeitsentgelts, bei größeren Betrieben (bis 250 Beschäftigte) bis zu 50 Prozent. Das sei auch für Ältere oder Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis möglich; die Ausbildungsverkürzung müsse die Handwerkskammer genehmigen. Gefördert werden laut Kraus auch Anpassungsweiterbildungen über mindestens 161 Stunden, z.B. in den Bereichen Büro, Buchhaltung oder Fahrdienst (Lkw-Führerschein). Ob die Fortbildung zum Fleisch-/Wurstsommelier förderfähig wäre, wie Innungsgeschäftsführer Thomas Mörtel (Fürth) nachhakte, müsste geprüft werden - ggf. könnten Fleischerschulen ein entsprechend zertifiziertes Bildungspaket schnüren. Nähere Infos zur Fachkräfte-Initiative „Weiter.Bildung!" gibt es unter www.arbeitsagentur.de oder Telefon 0800-4 5555 20.

Bei der Sitzung, die im neu eröffneten Zentrallager der Evenord an der Raudtener Straße in Nürnberg-Altenfurt stattfand, zog Metzgermeister Claus Steiner (Nürnberg-Altenfurt) eine sehr positive Zwischenbilanz zur Sanierung der beiden Mietshäuser der Innung an der Rothenburger Straße 37/37a. Etwa 1,5 Mio. Euro wird man in die 1554 qm Wohn-/Nutzfläche investieren. 30 Prozent davon seien abgerufen, der Kostenrahmen eingehalten. Sechs der 24 Wohnungen sind saniert, 2020 könnte das Gebäude 37 a fertig sein. Die ehemalige Gaststätte wird in Kürze umgebaut zu zwölf Zimmern mit einem Gebetsraum etc. für Novizinnen eines Schwestern-Ordens in Vierzehnheiligenwerden.

Konrad Ammon, in Personalunion Landesinnungsmeister der Metzger, griff weitere Themen auf: Er lobte das vom Fleischerverband Bayern kreierte „Metzger-M" als attraktives Symbol für Nachwuchswerbung und Give-aways; neuestes Angebot sei eine „Metzger-App" fürs Smartphone, um wichtige News schnell zu empfangen. Schockierend nannte er den Hygieneskandal in der hessischen Firma Wilke und riet im Kampf gegen Listerien zur Aufstockung des Hygiene-Paketes des LIV um einen Test für 90 Euro: „Vorsorge ist die beste Rückversicherung!" Von der Politik forderte der Metzgermeister eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes hin zu einer Wochenarbeitszeit, was im Notfall Tageseinsätze über zehn Stunden ermöglichen würde. Die Veröffentlichung aller Ergebnisse von Betriebskontrollen im Internet lehnte er ab.

Zur Pflicht, alle Ladenkassen zu modernisieren, um die Daten digital für Steuerprüfungen speichern zu können, kündigte Thomas Mörtel für 20. Januar 2020 eine Infoveranstaltung an.

Fotos: H. Buchmann