Kulinarische Traumreise von der EM bis zum Strand

Die stolzen Aubis mit (v.l.) KHS-Geschäftsführer Thomas Mörtel, Bürgermeister Markus Braun, OStD Wilfried Rost, Max Ammon und Thomas Frauenknecht

Fürth, 6.7.2016 (buc) - Neun Azubis aus den Innungen Fürth, Erlangen und NEA-Bad Windsheim gestalteten tolle Plattenschau. Und Fachverkauf heißt Vielfalt.

Acht verschiedene Schinkensorten, fein gerollt und auf einer Holzplatte platziert, verziert mit handgeschnitzten bunten Salat- und Gemüseröschen, drumherum Muscheln, Leuchttürme und andere typische „Beach"-Accessoires: Mit tollen Ideen wie diesem sommerlichen Strand-Arrangement nahmen neun Auszubildende aus den Innungen Fürth, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Erlangen bei einer Plattenschau anlässlich ihrer praktischen Lehrlingsprüfung ihr Publikum mit auf eine kulinarische Traumreise.
Die anwesenden Eltern, Freunde, Lehrer und Ausbilder staunten nicht schlecht, was die angehenden Fachverkäufer/innen da auf Tischen von gut 15 Metern Länge in der Berufsschule B1 zauberten. Und welch originelle Themen sich mit Schinkenplatten, Kanapees, Fingerfood und Präsentkörben verwirklichen lassen. Zum Beispiel ein amerikanisch anmutender „Sportler-Korb" mit Wurst, Käse, Trainings-Trinkflasche sowie Energy-Riegel als Nachspeise, dekoriert mit Boxhandschuhen und einem original US-Football. Oder ein Schwarz-Weiß-Ensemble mit Käse, Kaviar, Oliven, Balsamico-Essig und italienischen Weinen als Präsent sowie Mini-Hamburgern, Wraps und Garnelen-Häppchen als Fingerfood.
Wer noch nicht wusste, dass das Metzgerhandwerk eine Kunst ist, erlebte hier den Beweis: „Kunst kennt keine Definition" lautete das Motto eines Thementisches, der geschmackvoll mit Literatur (u.a. Oscar Wilde), Gemälden, Farben, Stiften und Blumen verziert war. Als Präsentbox diente eine Weinkiste aus dem Haut Médoc, als farbenfrohe Deko Erdbeeren, Blutorangenviertel oder Weintrauben.
Die Fußball-Patrioten unter den gut 50 Gästen standen fast andächtig vor einem wahren „Altar" für die Europameisterschaft in Frankreich: Die 18-jährige Janine Weber aus Emskirchen (Ausbildungsbetrieb, Bauernladen Jacob, Emskirchen) hatte ein schwarz-rot-goldenes Ensemble mit Fahnen und Mini-Bällen rund um Schinkenplatte und Kanapees geschaffen - sogar ein Blumenstrauß in den Nationalfarben gehörte dazu. Volltreffer!
Auf die lokale Karte setzte die 21-jährige Angela Matter aus Höchstadt (Metzgerei Norbert Gimberlein, Weisendorf) mit einem rot-weißen fränkischen Spezialitätentisch. Zum Korb mit geräucherten Bratwürsten & Co. gesellten sich trendige Weine („Die jungen Frankn"), Tomate-Mozzarella-Spieße mit mediterranem Flair und knackige Salat-Wraps im Pita-Brot.
Den im Herbst anstehenden Schulanfang nahm die 21-jährige Silvia Werner aus Fürth (Metzgerei Sellerer-Schuster, Fürth) zum Anlass für eine bunte Deko aus Schultüte, Schokoriegeln und Federmäppchen für leckere Kanapees wie „Rinderlachsschinken auf Pumpernickel" oder „Cervelat mit Frischkäse auf Vollkornbrot". Auch Quarkdesserts im Glas mit Garnelenspießchen oder Käse-Leckereien auf dem Silberlöffel kredenzte sie als feines Fingerfood.

Die jungen Leute ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Salami und Schinken, das Beste aus dem „f", dazu frisches Obst und Stückchen von Gurke, Möhre oder Granatapfel als attraktive wie appetitliche Farbtupfer. Sieben junge Damen und zwei Nachwuchs-Fachverkäufer servierten damit kulinarische Vielfalt quasi auf dem Silbertablett.

Dass die Lehrlinge stolz sein durften auf diese Arbeit, bescheinigte ihnen der Fürther Lehrlingswart Max Ammon. Mit ihrer Ausbildung hätten sie „den Königsweg" in einen vielseitigen und modernen Beruf gewählt, in dem man Lebensmittel nicht nur liebe, sondern auch achte. Er appellierte, die wichtige Aufgabe der Kundenberatung im Fachgeschäft nie schlechtzureden; Fachkompetenz sei heute mehr denn je gefragt. Ammon hofft, dass der Trend sinkender Lehrlingszahlen - vor wenigen Jahren waren es noch über 30 - den Tiefpunkt erreicht hat und erwartet künftig wieder mehr Azubis.

Fürths stv. Bürgermeister Markus Braun lobte, die wunderschönen Kreationen zeigten, dass die Azubis nicht nur Theorie gelernt hätten, sondern sie auch praktisch einzusetzen wüssten. Wer dem Kunde solche Genüsse so ansprechend präsentiere, der verbessere gleichzeitig das Image seines Berufs - und bekämpfe so aktiv den Fachkräftemangel. Auch der SPD-Politiker und Schulreferent ist optimistisch und glaubt an eine Stabilisierung der Lehrlingszahlen.

„Sie sind die Elite des Fleischerei-Fachverkaufs", sagte OStD Wilfried Rost, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Fürth. Denn als Geselle sei man Fachkraft, habe fundiert gelernt und ein viel breiteres Spektrum als ein Angelernter. Das reiche von Beratung über schön belegte Platten bis zu Partyservice und Catering; mit Fleiß und Können sei ihnen die Anerkennung zufriedener Kunden gewiss.

Prüfungsausschussvorsitzender Thomas Frauenknecht rief die Azubis auf, in der künftigen Arbeit die gute Wurst und Produkte des Fleischerhandwerks ebenso ansprechend zu präsentieren wie heute. Das war zugleich der Anfang vom Ende für die vielbestaunten Platten: Die Gäste durften das Büfett stürmen und all die Leckereien verzehren. (Fotos: H. Buchmann)