Fürth (pr) – Ab 1.1.2019 sollen gemäß einer EU-Verordnung alle Schlachtbetriebe moderne Elektrobetäubungsgeräte einsetzen, die aus Tierschutzgründen eine digitale Qualitätsüberwachung und Dokumentation ermöglichen. Konrad Ammon jun. aus Fürth, Bayerns Landesinnungsmeister der Metzger, befürchtet durch die dafür notwendige Investition ein weiteres Sterben kleinerer Fleischereien und eine Beschleunigung des Strukturwandels. Bei einem Besuch im Metzgerschlachthof Fürth versprach Bundesernährungsminister Christian Schmidt, gegenzusteuern: „Lassen Sie uns gemeinsam ein Konzept zur Stärkung regionaler Strukturen entwickeln."


Im Beisein eines Dutzends Metzgerkollegen forderte Ammon, in Personalunion auch Schlachthofgeschäftsführer und DFV-Vizepräsident, einen Bundeszuschuss von 5000 Euro für Kleinbetriebe mit Schlachtvolumen unter 1000 Großvieheinheiten pro Jahr; sonst könnten viele die technische Aufrüstung - neue Betäubungsanlagen kosten 6000-8000 Euro - nicht stemmen. Der Wegfall kleiner Schlachtstätten würde auch bäuerliche Lieferanten in die Krise stürzen. Das nütze nur Großkonzernen, die sich auch eine Betäubung mit Kohlendioxid (CO2) leisten können. In Bayern, wo Handwerk und Lebensfreude noch zu Hause seien, drohten Zustände wie in Norddeutschland, wo es z.B. für ganz Schleswig-Holstein nur noch einen Schlachthof gibt. Mittelgroße Einrichtungen wie die an der Siegelsdorfer Straße in Fürth mit Schlachtzahlen von 900 Schweinen und 80 Rindern pro Woche ermöglichten durch kurze Wege sogar die Warmfleischverarbeitung, garantierten hohe Lebensmittelqualität und durch fachkundige Mitarbeiter Tierschutz: Hier stehen nur gelernte Metzger am Schlachtband.
Der Fürther Obermeister mahnte auch neuere Gutachten zur Elektrobetäubung bei Schweinen an; die letzte Studie liege bereits acht Jahre zurück. Dann könnten Vorgaben wie die umstrittene 4-Sekunden-Dauer des Zangenansatzes am Ohrgrund (bei 1,3 A) nochmals überprüft werden. Laut Innungs-Vorstandsmitglied Stefan Emmert (Wilhermsdorf) ist diese Spanne potenziell nachteilig für die Fleischqualität. Ansbachs Metzger-Obermeister Karl-Heinz Holch appellierte an den Minister, für die traditionellen Strukturen zu kämpfen; er selbst tue das und bringe sein Vieh bis nach Fürth zur Schlachtung.
Das sagte der aus einer Bäckerfamilie in Obernzenn (Landkreis Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim) stammende Christian Schmidt zu - Versprechen über Finanzhilfen o.ä. könne er aber nicht machen. Man müsse mit DFV und LIVs beraten, wie Handwerksbetriebe gefördert werden könnten - schließlich brächten ihnen die Verbraucher höchstes Vertrauen entgegen. Und als Qualitätsattribut habe die Regionalität „Bio" längst überholt. Dem Fleischerhandwerk billigte er höchste Ansprüche an Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Qualität zu und bedauerte den oft eklatanten Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Der CSU-Politiker bekannte, nicht alle Punkte der EU-Vorgaben zur Betäubung habe Deutschland gewünscht; man müsse sie aber mit den Bundesländern umsetzen.
Konrad Ammon, der Schmidt für seine Zuverlässigkeit, seine Art Zuzuhören und seine wohlwollende Grundhaltung lobte, kritisierte in der Diskussion hohe Gebühren für Betriebe durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden: „Erstkontrollen sollten gratis sein." Das sieht der Minister genauso, erst Nachkontrollen sollten ggf. in Rechnung gestellt werden. Allerdings sei die Regelung Ländersache. Zumindest habe Deutschland verhindert, dass die EU alle Kontrollen als gebührenpflichtig einstufte.
Zum Vorwurf, es gebe sogar von Ort zu Ort Ungleichbehandlung durch Veterinäre, sagte Ministerialdirigent Dr. Rainer Gießübel (Berlin), diese trauten sich oft nicht, die von der EU eingeräumten Ermessensspielräume zu nutzen. Das müsse man evtl. auf Landesebene neu regeln. Bis dato gibt es hier laut Minister Schmidt keine rechtliche Verlässlichkeit - ähnlich wie bei Bußgeldern, wo mal 100, mal 1000 Euro für den selben Sachverhalt verhängt würden. Gleiche Maßstäbe bei allen Kontrollen sei das Ziel, das man anstrebe.
Noch keine Urteile konnte Schmidt zur Frage abgeben, ob es ggf. Fahrverbote für Handwerker-Fahrzeuge mit Dieselmotor geben könnte. Oder ob die Neufassung der Technischen Anleitung (TA) zur Reinhaltung der Luft womöglich die vor 25 Jahren erteilte Bestandsgenehmigung des Fürther Schlachthofes oder den Betrieb von Räucheranlagen in Metzgereien gefährde. Die Ansprüche an die Luftqualität seien gestiegen, erklärte er; aber zu dem Gesetzentwurf seien noch viele Fragen unbeantwortet. Für Konrad Ammon steht fest: „Die Themen gehen uns so schnell nicht aus!"