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Die Fahne des Handwerks hoch gehalten

Mit fast 100 prominenten Gästen aus Wirtschaft und Politik hat die Kreishandwerkerschaft Fürth bei einer Feier im Schloss Burgfarrnbach ihre beiden langjährigen Repräsentanten aus dem Amt verabschiedet: Metzgermeister Konrad Ammon (69), Kreishandwerksmeister von 2008 bis 2026, wurde dabei zum „Ehren-Kreishandwerksmeister“ ernannt, Schreinermeister Heinz Hufnagel (71) erhielt für seine ebenso lange währende Tätigkeit als KHM-Stellvertreter eine Ehrenurkunde. „Sie haben die Fahnen des Handwerks hoch gehalten“, würdigte Thomas Pirner (Nürnberg), Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, die großen Verdienste des Duos.

 

Beide Geehrte stammen aus Burgfarrnbach und sind Handwerker aus Leidenschaft. Konrad Ammon (Betrieb an der Würzburger Straße 550) ist seit 1980 Meister, war drei Jahre Fachlehrer an der Berufsschule Fürth, 30 Jahre Obermeister der Fleischer-Innung, ist seit zehn Jahren Bayerns Landesinnungsmeister der Metzger, seit 2020 Vizepräsident im Lebensmittelverband Deutschland und seit 16 Jahren Geschäftsführer des Metzger-Schlachthofs Fürth. 30 Jahre lang war er Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft, 15 Jahre im Vorstand der HWK, neun Jahre Vizepräsident des Deutschen Fleischer-Verbandes, 26 Jahre Mitglied im Wirtschaftsbeirat der Stadt Fürth, sechs Jahre Mitglied im Verwaltungsrat der IKK classic u.v.m. 2024 erhielt er für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement  den Bayerischen Verdienstorden. 

 

Heinz Hufnagel (Betrieb an der Graf-Pückler-Limpurg-Straße 97) ist seit 1982 Meister. Er war  32 Jahre im Vorstand der Schreiner-Innung tätig, davon zwölf Jahre als Obermeister, fünf Jahre Mitglied in der HWK-Vollversammlung, 17 Jahre im Wirtschaftsbeirat der Stadt, zwölf Jahre im Verwaltungsrat der Sparkasse Fürth, Aufsichtsratsmitglied im Bauverein Fürth etc.

 

Für all den damit verbundenen Zeitaufwand und die Arbeit für die Berufsstandsvertretungen dankte Metzgermeister und CSU-Stadtrat Max Ammon als Nachfolger seines Vaters im Amt des Kreishandwerksmeisters. Mit der symbolischen Schlüsselübergabe in der KHS in jüngere Hände ende „eine Ära“.

 

Dies unterstrich Thomas Pirner, inzwischen auch CSU-Landtagsabgeordneter. Man sei in 18 Jahren nicht immer einer Meinung gewesen, aber stets respektvoll miteinander umgegangen. Konrad Ammon dankte er für viele offene und kritische Worte, die dazu beigetragen hätten „Betriebsblindheit“ zu verhindern. Heinz Hufnagel habe weit über Fürths Grenzen hinaus dem Schreinerhandwerk Öffentlichkeitswirkung verschafft. Beide hätten das Handwerk in seiner ganzen Breite positiv geprägt.

 

Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (SPD) nannte die Geehrten „tolle Menschen, die für das Handwerk und die gesamte Stadt da sind“. Ob die Schreinertage oder der landesweit gelobte Schlachthof – wie wichtig das Handwerk vor Ort sei, habe nicht zuletzt die Quelle-Insolvenz 2009 mit steigender Arbeitslosenzahl gezeigt. Jung berichtete gerührt von damaligen Anrufen aus etlichen Betrieben, alle mit dem Tenor: „Wir würden jemanden nehmen!“ Das Handwerk habe nach wie vor Goldenen Boden: Welcher Akademiker oder welche KI könne schon eine feine Wurstplatte oder eine schöne Tür herstellen?

 

Landrat Bernd Obst (CSU) bezeichnete Ammon und Hufnagel als „Menschen mit klarer Haltung“, wie man sie sich im Ehrenamt wünsche. In 18 Jahren seien sie „Ansprechpartner, Vermittler und Mutmacher“ mit starker Stimme gewesen, egal ob im Dialog mit Betriebsinhabern oder Berufsschülern. „Handwerk ist ein Stück Identität der Region“, sagte Obst. Es stehe für Vertrauen, Herkunft und Verantwortung. Hinter jedem Betrieb stünden Menschen mit besonderem Können, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ mit ihrer regionalen Wertschöpfung brauche auch in Zukunft Nachwuchs und Menschen, die Probleme lösen und sehen möchten, was sie geleistet haben, so der Landrat. Er appellierte nicht nur an potenziellen Nachwuchs, sondern auch an die versammelte Politik: Der Fürther Schlachthof wolle für ca. 10 Mio. Euro modernisieren und sich für die Zukunft fit machen – das gehe nur mit Unterstützung und Geld von Freistaat und EU.

 

Thomas Mörtel, Geschäftsführer der KHS, bilanzierte, nach 18 Jahren unter Führung von Ammon und Hufnagel stehe das Fürther Handwerk gut da. Heute zähle man in Stadt und Landkreis 3100 Handwerksbetriebe mit 15.000 Mitarbeitern. Man habe stets um gute Lösungen gerungen und im Team Maßstäbe gesetzt – sei es mit dem Umbau des „Hauses des Handwerks“ oder PR-Aktionen wie „Handwerk zeigt Flagge“ 2014 mit Fahnen des Handwerks vor 14 Rathäusern. Mörtel und Max Ammon überreichten dem scheidenden Führungsduo zwei Spendenschecks über je 1000 Euro zur Weitergabe an soziale Organisationen, sowie zwei im Burgfarrnbacher Schloßpark zu pflanzende Bäume – inklusive Widmungstafeln.

 

Konrad Ammon blickte zurück auf prägende Ereignisse der vergangenen Jahre – von KHS-Sitzungen im Stadtmuseum, bei Carrera oder UVEX über Initiativen wie „Handwerk trifft Politik“, Imagekampagnen, Berufsbörsen zur Gewinnung von Auszubildenden, über die Aufnahme des Drechslerhandwerks in die Liste des immateriellen Kulturerbes bis zum vor Kurzem geführten Austausch mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil 2026. Ammon dazu augenzwinkernd: „Wir waren leider nicht in allen Punkten einer Meinung.“ Man habe viel erleben dürfen und gemeinsam viel bewegt. Nun wünsche man dem neuen Führungsteam um Max Ammon und Schreinermeister Max Boss (Fürth) als „Vize“ viel Erfolg.

 

Heinz Hufnagel dankte den Familien und Ehefrauen, die ihm und Ammon stets den Rücken freigehalten hätten. Er zeigte sich sehr zufrieden mit der Neustrukturierung des „Hauses des Handwerks“ an der Fürther Freiheit. Durch Teilverkauf an die Flessa-Bank habe man Kapital für künftige Handwerksgenerationen gesichert. Und die KHS nun in gute Hände übergeben.

 

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Veröffentlichung

Di, 07. Juli 2026

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